Patienteninformation

zu unseren Testverfahren

Möglichkeiten und Limitierungen unserer NIPT - Screeningverfahrens

Nicht-invasive pränatale Testverfahren, kurz NIPTs, ermöglichen es Ihnen Ihr Kind auf genetische Erkrankungen screenen zu lassen. Anders als konventionelle Screeningverfahren wie Ultraschall und die Erfassung biochemischer Parameter, bieten NIPTs eine höhere Screening-Präzision (PPV), gemessen an ihrer Spezifität und Sensitivität. Im Gegensatz zu invasiven pränatalen Diagnoseverfahren, die ein geringes Risiko einer eingriffsbedingten Fehlgeburt beinhalten, sind NIPTs nicht invasiv und daher risikofrei für Ihr Kind ¹.

Wichtig ist es zu jedoch zu berücksichtigen, dass es sich bei NIPTs um Screening-Tests handelt und nicht um Diagnoseverfahren. Der Unterschied besteht darin, dass Screening-Tests generell eine Risikoabschätzung ermöglichen und keine definitive Diagnose darüber zulassen, ob Ihr Kind von der getesteten Chromosomenstörung betroffen ist oder nicht. Eine endgültige Diagnose ist nur mit diagnostischen Tests möglich (Chorionzottenbiopsie oder Amnisozentese), die mit einem invasiven Eingriff verbunden sind.

Zwar sind NIPTs signifikant exakter als die früher zur Risikoabschätzung neben der Erfassung des Alters eingesetzten biochemischen Testverfahren (PAPP-A und β-HCG), sie können dennoch nicht mit diagnostischen Untersuchungen gleichgesetzt werden. Die allgemeine Definition von „Screening“ bezeichnet den Vorgang, aus einem definierten Prüfbereich Elemente mit bestimmten Eigenschaften herauszufiltern ². Dies bedeutet im thematischen Zusammenhang mit pränatalen Vorsorgeuntersuchungen und NIPTs, dass Screening-Tests Hinweise auf genetische Erkrankungen zu detektieren versuchen.

NIPTs sind damit lediglich als Risikoeinschätzung anzusehen und beinhalten immer eine gewisse Irrtumswahrscheinlichkeit.

Diese Irrtumswahrscheinlichkeit wird durch klinische Studien vor der Veröffentlichung und Anwendung der Tests möglichst exakt zu ermittelt, um die Genauigkeit des jeweiligen Tests zu bestimmen. Der Anteil der korrekt erkannten Feten mit einer Chromosomenstörung ergibt die sogenannte Sensitivität (auch Detektionsrate genannt) eines Screeningverfahrens. Der Anteil der korrekterweise als nicht von der untersuchten Chromosomenstörung betroffenen Feten ergibt die Spezifität eines Screeningverfahrens. Anhand der korrekt indizierten betroffenen Proben und der fälschlicherweise als betroffen indizierten Proben lässt sich die Präzision des Screeningverfahrens festmachen (Abb. 1) ³’⁴.

Abbildung 1: Schaubild zum Zusammenhang der beim pränatalen Screening verwendeten Qualitätsparameter: Liegt eine Chromosomenstörung vor, kann das Screening diese entweder erkennen (korrekt-positiv) oder nicht erkennen (falsch-negative). Das Verhältnis aus erfassten und allen tatsächlich vorliegenden Chromosomenstörungen nennt sich Sensitivität. Umgekehrt, liegt keine genetische Erkrankung vor, kann der Test dies indizieren (korrekt-negative) oder fälschlicherweise eine Chromosomenstörung indizieren (falsch-positive). Das Verhältnis aus dem Anteil der korrekt als nicht betroffen angezeigten Feten zu tatsächlich nicht betroffenen Feten nennt sich Spezifität. Die Menge an positiven Tests, die auch korrekter Weise eine genetische Krankheit indizieren und die fälschlicherweise eine gesunde Probe als krank indizieren bestimmt die Präzision des Tests.

Sensitivität und Spezifität sind beide entscheidend, um einen Test aussagekräftig bewerten zu können. Um dies beispielhaft zu zeigen, stelle man sich einen Test vor, der unabhängig von der getesteten Probe immer positiv ausfällt. Er hätte eine Detektionsrate von 100%, da er alle Proben mit genetischer Erkrankung detektieren würde. Allerdings würden auch alle gesunden Proben als erkrankt angezeigt werden. Die Aussage des Screenings wäre also wertlos, da alle geprüften Proben nochmal getestet werden müssten. Daher ist es wichtig, dass ein Screening nicht nur die genetischen Erkrankungen indiziert, sondern auch Gesunde korrekt als gesund indiziert.

Aufgrund von Materialfehler, Probenfehler und menschlichem Fehler ist es leider nicht möglich, einen Screeningtest mit 100% Sensitivität und Spezifität anzubieten. Ist ein Test 100% sensitiv, ist er nicht 100% spezifisch, und umgekehrt. Ein guter Screeningtest ist daher ein Mittelweg zwischen beiden Werten (Abb. 2).

Abbildung 2: Beziehung zwischen Sensitivität (rot) und Spezifität (grün) bei binären Klassifikationstests im Zusammenhang mit pränatalen Screeningverfahren. Die beiden Graphen können sich abhängig vom geprüften Screening-Test mehr oder weniger überschneiden, aber niemals perfekt überlagern, da kein Screentest sowohl 100% Sensitivität und Präzision haben kann. Die Genauigkeit eines Screeningtests ist also immer eine Balance zwischen Sensitivität und Spezifität.

Quellenverzeichnis

  1. Dohr A, Bramkamp V. Nicht invasive ­Pränataltests NIPT. Fam Med. Mai 2014;(2):12.
  2. Crayford T, Lewis G, Sheringham J, Bernal JL. Mastering Public Health: A Postgraduate Guide to Examinations and Revalidation. Second Edition. Royal Society of Medicine Press; 2007.
  3. Yerushalmy J. Statistical Problems in Assessing Methods of Medical Diagnosis, with Special Reference to X-Ray Techniques. Public Health Rep 1896-1970. 1947;62(40):1432–49.
  4. Parikh R, Mathai A, Parikh S, Chandra Sekhar G, Thomas R. Understanding and using sensitivity, specificity and predictive values. Indian J Ophthalmol. 2008;56(1):45–50.
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